1. E.W.: Hai Kollegen, alles in Butter?
Steve: Ja, es läuft alles wie geschmiert, wir haben gerade den Auftritt
mit Fehlgeburt und Sterbehilfe hinter uns, und demnächst geht’s
dann auch wieder ins Studio, damit unsere Hörer mit neuem Material
versorgt werden.
Ahm... reicht mir wer Brötchen und Marmelade?
2. E.W.: Okay, dann mal ans Werk, wobei natürlich zuerst
der übliche Interviewkram abgefrühstückt werden muss...
Also, wer spielt bei EMBALMING THEATRE, wie alt seit ihr, wie viel wiegt
ihr, habt ihr Tattoos und, was ganz wichtig ist, welches ist eure bevorzugte
Biermarke?
Steve: Wir sind zu fünft, das heisst, wir haben einen Schlagzeuger,
zwei Gitarristen und einen Bassisten. Und natürlich auch einen Schreihals,
aber das ist ganz in Ordnung so, weil der malt auch unsere Covers und
so, hehe. Da wird einiges erträglich. Die Namen hab ich inzwischen
vergessen, sucht euch Tiernamen von Affe über Esel bis zu Rhinozeros
aus, ich komm da eh nicht mehr nach, seit wir unsere dritte Single oder
so veröffentlicht haben. Ahem.
Wir sind alle irgendwo zwischen 25 und 35, das heisst, wir werden langsam
greis und vergesslich (böse Zungen behaupten, das liege am Alkoholkonsum,
aber nein, nein, es ist das Alter, ehrlich) – und wie viel wir wiegen,
weiss ich nicht. Aber so ein, zwei Frauen aus den Russ Meyer-Filmen könnten
uns bestimmt die Waage halten.
Also, ich hab keine Tattoos, bei den andern weiss ich das nicht, kann
schon sein, dass die was im Intimbereich haben, hehe. Aber das willst
Du doch sicher nicht wissen..!
Ich selbst trink kein Bier mehr, aber wenn ich müsste, dann Feldschlösschen
dunkel, so zum Mittag- oder Abendessen, das klänge ganz verlockend.
Die andern... na ja, die nehmen meistens, was so auf den Tisch kommt,
hehe.
Marco: Da sind wir nicht so wählerisch. Aber wenn ich mal wählen
kann, dann würde ich z.B. Lapin Kulta, Kilkenny, Dos Exquis (XX),
Schneider’s Weisse u.a. bestellen.
3. E.W.: Ihr könnt von der Musik an sich bestimmt nicht
leben – was macht ihr im „normalen“ Leben um eure Miete,
Lebensmittel, Autoversicherungen etc. bezahlen zu können?
Steve: Klar, Banküberfälle! Äh, nein, das hast Du nicht
gelesen, und wehe, Du druckst es ab. Marco, der die schlimmen Texte schreibt
und brüllt, ist wie Dave, unser Klampfist, Lehrer (also frag nicht,
warum es mit unserer Jugend immer weiter bergab geht, hehe... bei solchen
Vorbildern...), Heinz, der Schlagzeuger, arbeitet als Autospengler (oder
irgend so was) und René, der zweite Mann an der Klampfe, ist Elektri...
äh, Pornoproduzent, so wie ich, und wir leben in nem Penthouse und
so und leben in den Tag hinein. Aber wenn Du was über die Schweizer
Sozialversicherung wissen willst, kannste mich auch fragen.
4. E.W.: Erzähl’ uns bitte die Story wie und warum
es dazu kam, dass
EMBALMING THEATRE gegründet wurde?
Steve: Story? Da gibt’s ne Story? Äh... also... ja. Hm. Es
war einmal... also, es war so... wir hatten die Idee, Grindcore zu machen,
und so kam’s zu Embalming Theatre. Eigentlich war das dann eher
als Nebenprojekt zu Aeternum gedacht, die Deathmetal-Band, die wir damals
hatten. Also ham wir ein paar Songs aufgenommen, versucht, die zu verklickern
bzw. durch unser eigenes Label rauszubringen, und plötzlich war ET
berühmter als Aeternum. Und wir hatten den Schlamassel.
Dave: AETERNUM existierte schon etwas länger, da kannte ich Steve
noch nicht. Wir gründeten damals eine Grindkapelle (MAGGOTS) und
nahmen ein Demo und Livetape auf. Irgendwie liefen da alle Leute davon,
der einzige der blieb, Steve, wechselte dann noch zu AETERNUM. Etwas später
konnten wir unsere Lust am Grind nicht mehr zurückhalten und wir
begannen wieder damit: EMBALMING THEATRE war geboren.
5. E.W.: Es gibt sicherlich Leute, die noch nichts von EMBALMING
THEATRE gehört haben, von daher wäre es bestimmt nicht verkehrt
wenn du eure Mucke beschreiben würdest. Ich persönlich würde
euren Sound als hyperschnellen, brutalen Grindcore bezeichnen –
irgendwelche Einwände? Welche Bands haben euch inspiriert das zu
machen was ihr fabriziert?
Steve: Wir vereinen in unserer Musik vor allem Elemente aus Grindcore
und Deathmetal, aber auch n paar Hardcore-Sachen finden da ihre Riffs
drinnen. Es ist halt eher so straighter Old School-Grindcore, wie ihn
z. B. Terrorizer oder Impetigo und Konsorten fabriziert haben, obwohl
ich diese beiden Bands jetzt nicht als Vergleich herbeiziehen will, sondern
eher auch als Vorbild. Und klar ist uns Geschwindigkeit wichtig, aber
auch langsamere Parts, die n bisschen Groove in die Sache bringen.
Neben den erwähnten Bands fungieren aber natürlich auch noch
andere Vorbilder, Agathocles, E.N.T., Doom, Heresy, Filthy Christians,
G-Anx, Assück, S.O.B., Carcass, Napalm Death... ich könnte da
wohl noch Tonnen mehr aufzählen, aber ich glaub, das sind so die
namhaftesten.
6. E.W.: Ich habe hier einen (bescheidenen) Haufen Scheiben von
euch rumstehen, aber sicherlich hab’ ich ein paar Platten verpasst
und exakt deswegen würde ich gerne wissen, was ihr bislang veröffentlicht
habt. Für die „Jäger und Sammler“ ist es sicherlich
ebenfalls interessant in welchen Auflagen die Teile erschienen sind.
7“:
1. Split 7“ w/h AGATHOCLES (ltd. 1’000 handnrd, clear vinyl
with red dots)
2. Split 7” w/h FINAL EXIT (ltd. 503 handnrd, blue vinyl)
3. Split 7” w/h UNHOLY GRAVE (ltd. 100 handnrd, blue vinyl with
pink dots, ltd. 400 handnrd just blue vinyl)
4. Split 7” w/h TERRORISM (No limitation mentioned, black vinyl)
5. Split 7” w/h MAGGOT SHOES (No limitation mentioned, black vinyl)
6. Split 7” w/h SEWN SHUT (No limitation mentioned, orange vinyl)
7. Split 7” w/h JAZZ INTRUSION (No limitation mentioned, black vinyl)
8. The 7inch stunt EP, Comp., 1 Song (No limitation mentioned, orange
vinyl)
9. 4-way-Comp. EP w/h JIGSORE/DYSMORFIG/KADAVERFICKER (No limitation mentioned,
black vinyl)
10. Split 7” w/h BIRDFLESH (ltd. 25 handnrd, green vinyl (testpressing),
no limitation mentioned, white vinyl)
11. Split 7” w/h DIN-ADDICT (ltd. 613, handnrd, black vinyl, some
in red vinyl)
CD’s:
12. El Grinding Mafiozi Comp. CD – 2 Tracks
13. I can smell that they are dead CD-R (ltd. 50, hadnrd)
14. Sweet Chainsaw Melodies (also avaiable as LP)
15. Obscene Extreme 2004 Comp. CD – 2 Tracks
16. Hormones from the dead – MCD
17. Split-CD w/h TORTURE INCIDENT
Die Songs der MCD und Split-CD sollten überdies auch noch auf Vinyl
rauskommen. Ausserdem geplant ist eine CD, die unsere Tracks von allen
7“es zusammenschliesst.
7. E.W.: Ein Teil eurer Publikationen wie meinetwegen die Split
7“ w/ UNHOLY GRAVE und die Split 7“ w/ DIN-ADDICT sind auf
400 Copies bzw. 643Einheiten limitiert. Was hältst du von limitierten
Pressungen im Allgemeinen? Ist dieses ganze „limited edition of...“-Ding
nicht ein (guter) Grund fürs Tapen oder, heutzutage, für das
Brennen von „künstlich semi-rar“ gehaltenen und dementsprechend
nach einer Weile recht kostspieligen Platten?
Steve: Ich find (im Gegensatz zu MMAA oder wie die Knilche alle schon
wieder heissen) das Tapen und Traden gar nicht so schlimm, das ist doch
ganz okay (unsereins tut das ja auch – oder hat es zumindest gemacht).
Und gerade bei editierten Auflagen – wenn man ne Band mag, setzt
man ja normalerweise alles dran, das Teil zu kriegen, und sonst ist es
nicht wichtig. Und für nen Sammler isses halt n erhabenes Gefühl,
wenn er ein Original vorweisen kann. Von daher fand ich das eigentlich
nie schlecht, immerhin hab ich dadurch auch ein paar recht schöne
Stücke in der Sammlung.
Klar hat es auch Nachteile – für Fans wie für die Bands,
aber was soll’s. Irgendwie ist das auch n Bestandteil der Sache.
Ich find’s viel lumpiger, wenn n Label erst ne Scheibe rausbringt,
und dann, n paar Wochen später, irgend ne ltd. Edition nachschiebt,
mit Bonustracks oder anderm Cover oder farbig Vinyl oder was auch immer.
Dave: Deshalb setzen wir uns auch ein, dass auch in Zukunft keine CD,
7“ oder was auch immer nochmals veröffentlicht wird, auf der
dann irgendwelche Bonustracks drauf sind. Die Discography-CD (mit allen
7“’s-Tracks bisher) wird auch keine zusätzlichen Tracks
enthalten. Somit haben die Sammler der 7“’s noch den Vorteil,
dass sie sogar die Split-Bands jeweils auch haben und nicht nur unsere
Songs. Und die sind ja mindestens so gut, wie wir!
8. E.W.: In diesem Kontext fällt mir doch glatt noch eine
Frage ein: Hättest du etwas (Wirksames) dagegen wenn jemand einen
EMBALMING THEATRE Bootleg (mit seltenen Tracks oder sonst was) herausbringen
würde?
Steve: Nicht wirklich, aber es wär halt schön, wenn wir was
davon erfahren würden und auch n paar Copys für gratis bekämen.
Und der Typ, der das macht, sollte sich auch nicht dran bereichern, heisst,
überrissene Preise dafür verlangen – von daher bin ich
eigentlich eher für’s Traden als für’s Bootleggen.
Marco. Aber wer sollte schon auf so eine bescheuerte Idee kommen????.......
9. E.W.: Eure Releases sind auf diversen Labels auf nahezu dem
ganzen Planeten erschienen: Wie entstanden die Kontakte zu Putrid Filth
Conspiracy Records (Schweden), No Escape Records (Australien), Raw Noise
Records (USA), Agitate 96 Records (USA), Morbid Reality Records (USA),
Rescued From Life Records (USA), Reverb Productions (Malaysia) oder zu
der deutschen Firma Power It Up Records? Seid ihr mittlerweile so berühmt,
dass euch die Labels kontaktieren, oder schreibt ihr selbst wie wild durch
die Gegend um eine Scherbe auf die Menschheit loslassen zu können?
Steve: Joah, eigentlich ist das ziemlich seltsam gelaufen. Ich glaube,
der Auslöser dafür war, dass unsere erste Veröffentlichung
die Split mit Agathocles war – danach war das Interesse im Underground
geweckt, und wir wurden dann auch plötzlich von diesen und jenen
angequatscht, so hat sich eins ums andere ergeben. Die Homepage, die wir
auch schon recht früh hatten, hat die Kontakterei dazu wohl auch
noch erleichtert. Wenn man bedenkt, dass wir mit Aeternum jahrelang rumgedümpelt
sind, ist das alles mit einiger Rasanz passiert – daran haben wir
eigentlich selbst kaum geglaubt, immerhin war ET in der Anfangsphase nichts
weiter als n Spassprojekt, nichts, das wir wirklich ernst genommen hätten.
Dave: Mit einigen Labels war ich schon seit geraumer Zeit in Kontakt.
Manchmal muss einfach ein wenig nachfragen und plötzlich zeigen Leute
Interesse, an die man nie gedacht hätte!
10. E.W.: Thema Labels: Wurdet ihr schon mal von einem Label
abgerippt?
Wenn „ja“ hast du jetzt die Gelegenheit diese Typen öffentlich
an die Wand zu stellen (that means: Namen her, hehe)!
Steve: Das Glück (oder besser: Pech) hatten wir bisher noch nicht,
ab und zu wird man ja auch vorgewarnt. Ansonsten denke ich, betreiben
wir mit den Labels, mit denen wir zu tun haben, ne recht faire Politik,
und ich hoffe, die wissen das auch zu schätzen (wir kriegen ja für
die Veröffentlichungen jeweils Gratisexemplare oder zu nem lauen
Preis und keine Knete, aber dafür sind wir auch recht dankbar). Da
Dave und ich selbst mal n Label betrieben haben, wissen wir ja auch, wie’s
ungefähr läuft und man halt nicht immer Kohle für alles
hat.
11. E.W.: In sämtlichen EMBALMING THEATRE Schüsseln,
die ich besitze, ist weder ein Foto von euch noch eure richtigen Namen
abgedruckt. Warum nicht? Seid ihr so hässlich, dass ihr eure wahren
Gesichter nicht zeigen könnt ohne mit Klagen auf Schmerzensgeld rechnen
zu müssen oder was hat es damit auf sich?
Steve: Naja, mit Nachnamen wie Blumenkohl, Bohnentrost, Maisfeld etc...
sei ehrlich, würdest Du da Deinen Namen veröffentlicht sehen
wollen? Hehe. Und ja, wir warten immer noch auf den grossen Wurf, damit
wir uns ne Schönheitsoperation leisten können – wobei,
gibt es da jetzt nicht ne Sendung? Vielleicht sollten wir uns da mal bewerben,
höhö, alle fünf zusammen.
Okay, im Ernst. Eigentlich haben wir die Idee von Brujeria geklaut, weil
wir damals ja noch Aeternum am Start hatten und unsere Identität
nicht preisgeben wollten. Also kam da erst mal je n abgedrehtes Foto auf
die ersten 7“er’s und natürlich auch gefälschte
passende Namen. Und irgendwie hat sich das dann halt gehalten, und wir
können die Finger nicht davon lassen.
Wer aber unbedingt Bilderchen von uns sehen will, kann das auf der HP
tun, da sind Live-Pics drauf. Vielleicht – und da bringt mich Deine
Frage auf die Idee, bringen wir mal n paar Bilder auf ner Liveveröffentlichung,
ich werd mich da mal mit Dave und Marco unterhalten müssen, weil
anscheinend haben wir ne ziemlich gute Aufnahme reingekriegt im Abart
in Zürich, wo wir mit Nasum gespielt haben.
12. E.W.: Wenn ich eh gerade bei dieser Materie bin: Sind so
blöd/kultige Anreden wie „Bill St.rangulated“, „E.
Metic“ (damit ist sicherlich die Band gemeint, eh!?!), „G.
Reedy“, „Rub Bish“ und/oder „G. Metzl“ im
Suff entstanden oder wie zum Henker kommt man auf so einen zugegebenermaßen
lustigen Schwachsinn?
Steve: Äh... äh... Kein Kommentar? Hehe.
Marco: Da ist übrigens nicht die Band gemeint. Fast alle Namen sind
von mir und dafür musste ich kein einziges Mal besoffen sein. Aber
wenn ich beim Ausdenken von Namen noch besoffen wäre, gar nicht auszudenken,
was für ein Schwachsinn DANN herauskommen würde.... bald sind
es um die 100 verschiedene Namen. Da könnten wir ja zum Jubiläum
eine Sause veranstallten, nicht?!
13. E.W.: Mal zu euren Texten: Mir ist äußerst positiv
aufgefallen, dass ihr euch von den für diese Musikrichtung üblichen
(hohlen!) Gore-, Splatter- und/oder Pornotexten kilometerweit abhebt.
Auf unter anderem der „Sweet chainsaw melodies“ LP, der „Hormones
from the dead“ MCD, der Split 7“ w/ DIN-ADDICT oder der „Split
organ“ Split CD w/ TORTURE INCIDENT verarbeitet ihr zwar blutrünstige
Themen en masse, allerdings beruhen diese Inhalte auf der bitteren Realität.
Wollt ihr in euren Texten die alltäglichen Perversionen, die auf
diesen Planeten scheinbar gang und gäbe sind, anprangern oder warum
schreibt ihr solche Lyrics?
Steve: Das ist vor allem Marcos Metier. Was die realen Tatsachen angeht,
so ist es bei uns schon lange gang und gebe, dass wir uns öfter mal
über diese kleinen Notizen unterhalten, die ab und zu in der Zeitung
erscheinen – meistens sehr makaber, manchmal einfach nur lustig,
aber auf dieser Welt passieren manchmal wirklich extrem schräge Sachen.
Wir haben da auch nen extrem ausgeprägten schwarzen Humor.
Natürlich sind die Sachen, die Marco in den Texten verarbeitet, nicht
wirklich zum Lachen. Aber manchmal weiss man wirklich nicht, ob man darüber
schmunzeln oder weinen soll. Einige Texte spiegeln auch einfach die grenzenlose
Dummheit gewisser Menschen wieder, wie z. B. der Typ, der sich Engelstrompete
reingezogen und sich dann den Pimmel abgeschnippelt hat. Oder dann halt
so ironische Sachen wie das Untergehen eines Schiffes mit einer Beerdigungsgesellschaft.
14. E.W.: Noch eine Sache, die mir zu euren verbalen Ergüssen
durchs Hirn schießt: Wie kommen diese Inhalte letztendlich zustande?
Ich habe jedenfalls vor dem Studieren von zum Beispiel „Failed and
nailed“ (von der „Hormones from the dead“ MCD) noch
nie etwas von einer Story, dass eine kambodschanische Mutter ihre Tochter
am Boden festgenagelt hat weil das Mädchen, anstatt im Haushalt zu
helfen, lieber spielen wollte, gehört. Lest ihr den lieben, langen
Tag die Schmierblätter der Boulevardpresse, guckt ihr pausenlos in
die Glotze oder was ist da los?
Steve: Solche Notizen findest Du meist auch in ganz seriösen Zeitungen,
meist halt nur kleine Meldungen am Rand. Wo Marco genau seine Quellen
hat, kann ich Dir nicht sagen, im Internet findet sich da bestimmt auch
einiges. Dass Marco sich vor die Glotze hängt und nur auf solcherlei
Nachrichten wartet, glaub ich nicht – ich selbst hab ja schon seit
Jahren keinen Fernseher mehr. Aber ich bin ein aufmerksamer Zeitungsleser.
15. E.W.: Eure Seite der Split 7“ w/ DIN-ADDICT heißt
„You eat what I have raped“... Findest du so ein Statement
nicht ein bisschen abartig? Ich meine, ich habe schon Schlimmeres gelesen
und deswegen pisst mich das auch nicht wirklich an, aber warum habt ihr
so einen Titel gewählt?
Steve: Abartig ist die Welt, in der wir leben, und das schon seit Menschengedenken.
„You eat what I have raped“ ist der Text eines Lieds, darauf
basierend, dass zwei Männer in Moskau Frauen vergewaltigt und ihr
Fleisch danach an die Verwandtschaft zum Verzehr weiter gegeben haben.
Mag sein, dass die Ich-Form hier ein wenig unglücklich gewählt
ist, aber darüber soll sich Marco selber rechtfertigen, hehe.
Marco: Was muss in einem Kopf vorgehen, damit man so eine Schweinerei
vollbringt?
Ich kann mir das nicht vorstellen. Darum sind Titel und Text aus der Perspektive
des Täters auch kalt und emotionslos gehalten. Es werden noch andere
Titel in dem Stil folgen, z.B.“ Electric torture in her cunt“
auf der Split mit Intumescence. Dass die Ich-Form etwas verwirrend sein
kann, realisierte ich zum ersten Mal, als mich jemand wegen des Titels
der Split mit Maggot Shoes ansprach („Daddy raped my girlfriends“).
Ich habe keine Mühe, auch mal etwas aus der Sicht des Täters
zu berichten. Normalerweise geschieht das ja aus Sicht der Opfer. Damit
will ich aber keineswegs die Taten verherrlichen. Eine Glorifikation von
Serienkillern mit Merchandise-Artikeln finde ich
persönlich fragwürdig. Es ist wie Steve sagt, dass die Welt
abartig ist, und wir auf die eine oder andere Art damit umgehen müssen.
Den meisten gelingt das mühelos mit Ignorieren und Verdrängen.
16. E.W.: Der finale Song der „Sweet chainsaw melodies“
LP ist eine, wie ich finde, witzige, von griechischer (oder so...) Folklore
angehauchte Nummer über das Einbalsamieren von Leichen. Ey, wenn
da noch ein gutgelauntes „Hellas“ gekommen wäre, hätte
ich, ohne Scheiß, erst mal einen entspannten, formvollendeten Sirtaki
aufs Parkett gelegt... Nee, im Ernst: Weshalb habt ihr dieses Stück
auf das Album gepackt?
Steve: Was auch immer man anhand unserer Texte von uns denken mag: Wir
sind bestimmt nicht die verkommenen Psychopathen, die in düsteren
Kellern rumhocken und nur Mord und Totschlag im Sinn haben. Genau so wenig
wollen wir dieses Image erwecken, wenn wir live auftreten. Im Grunde genommen
sind wir nämlich humorvolle und nette Jungs, die einfach Spass daran
haben, den Leuten was zu bieten.
Das Outro (wie auch die Intros und Intermezzos auf allen Scheiben) kam
von Marco, der, soweit ich weiss, diese teilweise auch über Mia Wallace
bezieht (darüber müsste Dir aber Marco selbst Bescheid geben).
Keine Ahnung, woher das wirklich stand, ein Element daraus (das englische)
ist auf jeden Fall aus dem Film The mummy mit Boris Karloff, und der Rest
klingt eher wie so aus ner Unterrichtssendung, so was wie die Sendung
mit der Maus.
Nebenbei – das Album ist ja ansonsten ernst genug, da kann man auch
mal ein wenig auflockern, ne?
Marco: Zitieren wir doch Schlager-Master Roberto Blanco: „Ein bisschen
Spass muss sein...“
17. E.W.: Auf der Split 7“ w/ BIRDFLESH covert ihr mit
„Sick of talk“ die Götter von INFEST und auf der „Split
organ“ Split CD w/ TORTURE INCIDENT mit „Fear of napalm“
die nicht minder genialen TERRORIZER. Weswegen gerade INFEST und wieso
nicht „Dead shall rise“ von TERRORIZER? Bei den Letzteren
gehe ich davon aus, dass „Dead shall rise“ jeder nachspielt...
Egal, spüre ich bei EMBALMING THEATRE eine gewisse Leidenschaft für
authentischen Knüppelcore?
Steve: Nachdem wir während der ersten Session E.N.T. gecovert hatten
(Murder), haben wir uns für die zweite dann ein paar Covers mehr
ausgesucht, alle Bandmembers konnten da Vorschläge anbringen. Marco
wie auch ich haben die Infest-12“, und – ich weiss nicht,
wie Marco das sieht – ich finde sie einfach nur saubrutal und genial.
Ein guter Grund, nen Song zu covern, eigentlich hatten wir auch mehrere
zur Auswahl, haben uns dann aber für Sick of talk entschieden. Ich
selbst hab auch sonst jede Menge Hardcore-Platten zu Hause im Regal stehen,
weil ich die Stil-Richtung halt auch sehr mag.
Fear of napalm haben wir gecovert, weil wir das schon mal gespielt hatten,
mit ner andern Band (Maggots – das war noch vor meiner Zeit bei
Aeternum, die’s damals auch schon gab. Eigentlich war bei Maggots
dann auch das eine oder andere Aeternum-Mitglied dabei, so auch Dave).
N anderes Lied stand da eigentlich gar nie zur Debatte, der Song an und
für sich ist auch recht geil, wenn auch für uns ungewohnt lang.
Nebenbei spielen wir den auch als Zugabe noch live.
Und, ja, wir mögen halt die alten Heroen – wir werden auch
bei der nächsten Aufnahme wieder n paar Coverversionen mit dabei
haben. Andere Covers, die wir schon aufgenommen und zum Teil veröffentlicht
haben, stammen von so namhaften Bands wie: Fear Of God (sind ja auch Landsleute,
hehe), Exculceration (auch Landsleute), Cryptic Slaughter, Heresy, Repulsion,
S.O.B., G-Anx, Filthy Christians, usw. usf.
18. E.W.: Die Schweiz ist zwar bekannt für ihre leckere Schokolade,
präzise funktionierende Uhren und dass dort alles sauteuer ist, aber,
wenn ich (ältere) Units wie FEAR OF GOD, ABC DIABOLO, PROFAX, MONUMENT,
CWILL, MINE, blablabla mal außen vor lasse, sicherlich nicht gerade
für Hard- und/oder Grindcore. Gibt es bei euch eigentlich so was
wie eine Hardcore-, Punk-, Grindcore-, was-auch-immer-Szene? Nach welchen
aufstrebenden Bands sollten wir die Augen offen halten?
Steve: Klar gibt’s hier auch ne Szene, aber ich glaub, Grindcore
ist da nicht wirklich so in, die härteren Bands gehen dann eher so
Richtung brutalen Deathmetal. Wertvolle Arbeit für diese Szene (also
Grind und Death) leistet vor allem M.D.H.F. (Metal Die Hard Front) und
das Mountains of Death Open-Air. Da empfehle ich vor allem Disparaged
und Carnal Decay, gibt natürlich noch ne Menge anderer Bands, aber
momentan fällt mir da nix mehr zu ein, Gedächtnis wie Sieb halt.
Im Hardcore-Bereich kenn ich mich im aktuellen Geschehen eher weniger
aus, ich kann da vielleicht Eye See Red nennen, die gehen irgendwie so
in die HC-/Crossover-Bresche, und noch Short Case. Ich geh halt inzwischen
nur noch selten an so Konzerte und Veranstaltungen.
Was Punk angeht, kann ich Dir gar nix zu sagen, das Neo-Punk-Zeugs interessiert
mich eigentlich kaum.
19. E.W.: Cool. Ein kleines Brainstorming gefällig? Here
we go:
NAPALM DEATH oder CARCASS?
Sekt oder Selters?
Vegetarier oder Karnivoren?
Boston oder L.A.?
Bern oder Berlin?
„Matrix“ oder „Braindead“?
Steve: Carcass. Ich mochte die schon immer mehr als ND. Nette Geschichte
von Fear Of God (der Drummer wohnt hier im gleichen Ort wie ich): Als
ND bemerkt haben, das FOG um einiges mehr hacken als sie, haben sie den
Briefkontakt abgebrochen. Live hätten sie (ND) mal vor einigen Colaflaschen
gesessen – auf die Frage hin, warum sie die denn getrunken hätten,
kam die Antwort: Wurden halt bezahlt (siehe auch: Multinational corporations/Scum).
Ausserdem... Carcass haben diese schönen echt perversen Riffs und
Solos drauf.
Selters. Seit einigen Jahren trinke ich Alk nur noch bei Ausnahmegelegenheiten,
das summiert sich im Jahr so auf maximal zwei Mal im Übermass.
Karnivore. Ich mag Gemüse auf den Tod nicht ausstehen, mit Vegetarismus
hätte ich also n echtes Problem.
Boston. L.A. ist mir zu suspekt – na ja, eigentlich Amerika überhaupt.
Und wenn ich mich recht erinnere, war der Bostoner HC genauso gut wie
der aus L.A. Grübel. Ich glaub, ich sollte mal wieder die Plattensammlung
durchforsten.
Berlin. Will ich unbedingt mal sehen. Hätte da sogar schon ne Fremdenführerin
(hätt jetzt fast nur „Führerin“ geschrieben, aber
im Zusammenhang mit Berlin hat das wohl einen etwas... seltsamen Nachgeschmack).
Hoffe, da ein paar schöne Fotomotive zu finden. In Bern haben wir
letztes Jahr gespielt, wenn ich mal Zeit und Lust habe, werd ich da wohl
auch mal ne kleine richtige Rundreise durch die Stadt machen, war schon
lange nicht mehr da, am Konzert ham wir nich viel von der Stadt selbst
gesehen.
Braindead. Ich mag Splatterfilme. Ich mag auch anspruchsvollere Filme
wie Soul Survivor oder Blair Witch 2, Angel Heart oder die von Cronenberg
etc., durchaus auch mal n melancholischen Film oder was Schönes wie
Feivel oder Lemony Snickets Rätselhafte Ereignisse. Matrix war ja
ganz okay und anspruchsvoll, aber nicht so mein Ding. Gibt durchaus gute
SF-Filme (wie M.A.R.K. 13 – Hardware, die Alien-Filme, sogar I,
Robot fand ich voll okay), aber da gehören die Matrix-Sachen meiner
Meinung nach nicht dazu.
Marco: Napalm Death, auch wenn Carcass nur hauchdünn dahinter ist...Ich
habe mit über 100 Titeln auch eindeutig mehr Material von Napalm
Death als von Carcass.
Selters, Sekt gibt mir nichts. Hättest du gefragt, ein gutes Glas
Rotwein oder Wasser, hätte ich mich anders entschieden. Wer säuft
schon das Sprudelwasser für Neureiche. Aber allgemein gesagt, trinke
ich auch wie Steve nicht sehr oft Alkohol. Aber sicher nicht so wenig
wie er!
Ich mag beides, an einem Abend mit René (von Endistro/Blutwurscht
Records) Veganfood zu mir nehmen und am anderen Abend ein gutes Stück
Fleisch.
Bei den Stätten enthalte ich mich, da ich 2 noch nicht kenne.
Beim Film ist es zwar so, dass es im ersten Teil von Matrix wirklich schöne
Bilder hatte, aber die anderen Teile hat mir mal einer ausgeliehen und
ich habe nach 15 Minuten abgestellt. Deshalb geht der Punkt sicher an
Braindead.
20. E.W.: Sodele, jetzt noch meine Lieblingsfrage, die ich, weil
ich ein absoluter Listenfreak bin, wirklich jedem stelle: Nenn’
bitte deine fünf favorisiertesten Platten aller Zeiten, also die
Dinger, die du mit ins Grab nehmen würdest!
Steve:
AT THE GATES – Slaughter of the soul LP
G-Anx – Masterpeace 7” (darf ich, weil’s nur ne 7”
is, noch ne zweite mitnehmen? Okay, dann... hmmm... TOTALITAER –
Multinationella Mördare 7“ – oder was von ASSÜCK)
SPAZZTIC BLURR – Before and after LP
BOLT THROWER – Realm of chaos LP
GORILLA BISCUITS – Start today LP
Dave:
(Schreibe nur Bands auf, denn ich könnte mich nicht für nur
5 Scheiben entscheiden. Die müssen mich mal zusammen mit meiner LP-Sammlung
in einem Mausoleum beerdigen!!)
AT THE GATES, ROTTEN SOUND, NAPALM DEATH, AGATHOCLES, E.N.T., DOOM, ASSÜCK,
SKIT SYSTEM, BIRDFLESH,……………..
Marco:
WINTER - Eternal Darkness
NAPALM DEATH – Mentally murdered MLP
CARCASS- Symphonies of sickness
GRAVE – Anatomia corporis humani MLP
DEMILICH- Nespithe
Aber es fällt mir verdammt schwer, mich da auf 5 zu beschränken!!!
Deshalb nehme ich für die 2 MLP’s noch was dazu, hehe:
DISEMBOWELMENT – Demos, Reh., MCD, CD
21. E.W.: Was dürfen wir in nächster Zeit von EMBALMING
THEATRE erwarten?
Steve: Wie schon erwähnt, Ende April ist bei uns Studio angesagt.
Daraus wird dann wohl ne volle CD resultieren, ne Split-CD, ne volle 7“
und evtl. dann noch die eine oder andere Split-7“. Livemässig
steht noch nicht sehr viel fest, bisher eigentlich nur der Auftritt im
Dynamo in Zürich am 9. April.
22. E.W.: Okay, das war’s von meiner Seite aus –
vielen Dank für das Interview!! Gibt’s noch irgendwelche Statements,
die du loswerden möchtest?
Steve: Vielen Dank für das Interview! Haltet euch auf dem
Laufenden auf www.embalmingtheatre.ch! Grind on und so, ihr wisst ja schon.
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