Eye Witness 'zine #61 back to Interviews

1. E.W.: Hai Kollegen, alles in Butter?
Steve: Ja, es läuft alles wie geschmiert, wir haben gerade den Auftritt mit Fehlgeburt und Sterbehilfe hinter uns, und demnächst geht’s dann auch wieder ins Studio, damit unsere Hörer mit neuem Material versorgt werden.
Ahm... reicht mir wer Brötchen und Marmelade?

2. E.W.: Okay, dann mal ans Werk, wobei natürlich zuerst der übliche Interviewkram abgefrühstückt werden muss... Also, wer spielt bei EMBALMING THEATRE, wie alt seit ihr, wie viel wiegt ihr, habt ihr Tattoos und, was ganz wichtig ist, welches ist eure bevorzugte Biermarke?
Steve: Wir sind zu fünft, das heisst, wir haben einen Schlagzeuger, zwei Gitarristen und einen Bassisten. Und natürlich auch einen Schreihals, aber das ist ganz in Ordnung so, weil der malt auch unsere Covers und so, hehe. Da wird einiges erträglich. Die Namen hab ich inzwischen vergessen, sucht euch Tiernamen von Affe über Esel bis zu Rhinozeros aus, ich komm da eh nicht mehr nach, seit wir unsere dritte Single oder so veröffentlicht haben. Ahem.
Wir sind alle irgendwo zwischen 25 und 35, das heisst, wir werden langsam greis und vergesslich (böse Zungen behaupten, das liege am Alkoholkonsum, aber nein, nein, es ist das Alter, ehrlich) – und wie viel wir wiegen, weiss ich nicht. Aber so ein, zwei Frauen aus den Russ Meyer-Filmen könnten uns bestimmt die Waage halten.
Also, ich hab keine Tattoos, bei den andern weiss ich das nicht, kann schon sein, dass die was im Intimbereich haben, hehe. Aber das willst Du doch sicher nicht wissen..!
Ich selbst trink kein Bier mehr, aber wenn ich müsste, dann Feldschlösschen dunkel, so zum Mittag- oder Abendessen, das klänge ganz verlockend. Die andern... na ja, die nehmen meistens, was so auf den Tisch kommt, hehe.
Marco: Da sind wir nicht so wählerisch. Aber wenn ich mal wählen kann, dann würde ich z.B. Lapin Kulta, Kilkenny, Dos Exquis (XX), Schneider’s Weisse u.a. bestellen.

3. E.W.: Ihr könnt von der Musik an sich bestimmt nicht leben – was macht ihr im „normalen“ Leben um eure Miete, Lebensmittel, Autoversicherungen etc. bezahlen zu können?
Steve: Klar, Banküberfälle! Äh, nein, das hast Du nicht gelesen, und wehe, Du druckst es ab. Marco, der die schlimmen Texte schreibt und brüllt, ist wie Dave, unser Klampfist, Lehrer (also frag nicht, warum es mit unserer Jugend immer weiter bergab geht, hehe... bei solchen Vorbildern...), Heinz, der Schlagzeuger, arbeitet als Autospengler (oder irgend so was) und René, der zweite Mann an der Klampfe, ist Elektri... äh, Pornoproduzent, so wie ich, und wir leben in nem Penthouse und so und leben in den Tag hinein. Aber wenn Du was über die Schweizer Sozialversicherung wissen willst, kannste mich auch fragen.

4. E.W.: Erzähl’ uns bitte die Story wie und warum es dazu kam, dass
EMBALMING THEATRE gegründet wurde?

Steve: Story? Da gibt’s ne Story? Äh... also... ja. Hm. Es war einmal... also, es war so... wir hatten die Idee, Grindcore zu machen, und so kam’s zu Embalming Theatre. Eigentlich war das dann eher als Nebenprojekt zu Aeternum gedacht, die Deathmetal-Band, die wir damals hatten. Also ham wir ein paar Songs aufgenommen, versucht, die zu verklickern bzw. durch unser eigenes Label rauszubringen, und plötzlich war ET berühmter als Aeternum. Und wir hatten den Schlamassel.
Dave: AETERNUM existierte schon etwas länger, da kannte ich Steve noch nicht. Wir gründeten damals eine Grindkapelle (MAGGOTS) und nahmen ein Demo und Livetape auf. Irgendwie liefen da alle Leute davon, der einzige der blieb, Steve, wechselte dann noch zu AETERNUM. Etwas später konnten wir unsere Lust am Grind nicht mehr zurückhalten und wir begannen wieder damit: EMBALMING THEATRE war geboren.

5. E.W.: Es gibt sicherlich Leute, die noch nichts von EMBALMING THEATRE gehört haben, von daher wäre es bestimmt nicht verkehrt wenn du eure Mucke beschreiben würdest. Ich persönlich würde euren Sound als hyperschnellen, brutalen Grindcore bezeichnen – irgendwelche Einwände? Welche Bands haben euch inspiriert das zu machen was ihr fabriziert?
Steve: Wir vereinen in unserer Musik vor allem Elemente aus Grindcore und Deathmetal, aber auch n paar Hardcore-Sachen finden da ihre Riffs drinnen. Es ist halt eher so straighter Old School-Grindcore, wie ihn z. B. Terrorizer oder Impetigo und Konsorten fabriziert haben, obwohl ich diese beiden Bands jetzt nicht als Vergleich herbeiziehen will, sondern eher auch als Vorbild. Und klar ist uns Geschwindigkeit wichtig, aber auch langsamere Parts, die n bisschen Groove in die Sache bringen.
Neben den erwähnten Bands fungieren aber natürlich auch noch andere Vorbilder, Agathocles, E.N.T., Doom, Heresy, Filthy Christians, G-Anx, Assück, S.O.B., Carcass, Napalm Death... ich könnte da wohl noch Tonnen mehr aufzählen, aber ich glaub, das sind so die namhaftesten.

6. E.W.: Ich habe hier einen (bescheidenen) Haufen Scheiben von euch rumstehen, aber sicherlich hab’ ich ein paar Platten verpasst und exakt deswegen würde ich gerne wissen, was ihr bislang veröffentlicht habt. Für die „Jäger und Sammler“ ist es sicherlich ebenfalls interessant in welchen Auflagen die Teile erschienen sind.

7“:
1. Split 7“ w/h AGATHOCLES (ltd. 1’000 handnrd, clear vinyl with red dots)
2. Split 7” w/h FINAL EXIT (ltd. 503 handnrd, blue vinyl)
3. Split 7” w/h UNHOLY GRAVE (ltd. 100 handnrd, blue vinyl with pink dots, ltd. 400 handnrd just blue vinyl)
4. Split 7” w/h TERRORISM (No limitation mentioned, black vinyl)
5. Split 7” w/h MAGGOT SHOES (No limitation mentioned, black vinyl)
6. Split 7” w/h SEWN SHUT (No limitation mentioned, orange vinyl)
7. Split 7” w/h JAZZ INTRUSION (No limitation mentioned, black vinyl)
8. The 7inch stunt EP, Comp., 1 Song (No limitation mentioned, orange vinyl)
9. 4-way-Comp. EP w/h JIGSORE/DYSMORFIG/KADAVERFICKER (No limitation mentioned, black vinyl)
10. Split 7” w/h BIRDFLESH (ltd. 25 handnrd, green vinyl (testpressing), no limitation mentioned, white vinyl)
11. Split 7” w/h DIN-ADDICT (ltd. 613, handnrd, black vinyl, some in red vinyl)

CD’s:
12. El Grinding Mafiozi Comp. CD – 2 Tracks
13. I can smell that they are dead CD-R (ltd. 50, hadnrd)
14. Sweet Chainsaw Melodies (also avaiable as LP)
15. Obscene Extreme 2004 Comp. CD – 2 Tracks
16. Hormones from the dead – MCD
17. Split-CD w/h TORTURE INCIDENT

Die Songs der MCD und Split-CD sollten überdies auch noch auf Vinyl rauskommen. Ausserdem geplant ist eine CD, die unsere Tracks von allen 7“es zusammenschliesst.


7. E.W.: Ein Teil eurer Publikationen wie meinetwegen die Split 7“ w/ UNHOLY GRAVE und die Split 7“ w/ DIN-ADDICT sind auf 400 Copies bzw. 643Einheiten limitiert. Was hältst du von limitierten Pressungen im Allgemeinen? Ist dieses ganze „limited edition of...“-Ding nicht ein (guter) Grund fürs Tapen oder, heutzutage, für das Brennen von „künstlich semi-rar“ gehaltenen und dementsprechend nach einer Weile recht kostspieligen Platten?
Steve: Ich find (im Gegensatz zu MMAA oder wie die Knilche alle schon wieder heissen) das Tapen und Traden gar nicht so schlimm, das ist doch ganz okay (unsereins tut das ja auch – oder hat es zumindest gemacht). Und gerade bei editierten Auflagen – wenn man ne Band mag, setzt man ja normalerweise alles dran, das Teil zu kriegen, und sonst ist es nicht wichtig. Und für nen Sammler isses halt n erhabenes Gefühl, wenn er ein Original vorweisen kann. Von daher fand ich das eigentlich nie schlecht, immerhin hab ich dadurch auch ein paar recht schöne Stücke in der Sammlung.
Klar hat es auch Nachteile – für Fans wie für die Bands, aber was soll’s. Irgendwie ist das auch n Bestandteil der Sache. Ich find’s viel lumpiger, wenn n Label erst ne Scheibe rausbringt, und dann, n paar Wochen später, irgend ne ltd. Edition nachschiebt, mit Bonustracks oder anderm Cover oder farbig Vinyl oder was auch immer.
Dave: Deshalb setzen wir uns auch ein, dass auch in Zukunft keine CD, 7“ oder was auch immer nochmals veröffentlicht wird, auf der dann irgendwelche Bonustracks drauf sind. Die Discography-CD (mit allen 7“’s-Tracks bisher) wird auch keine zusätzlichen Tracks enthalten. Somit haben die Sammler der 7“’s noch den Vorteil, dass sie sogar die Split-Bands jeweils auch haben und nicht nur unsere Songs. Und die sind ja mindestens so gut, wie wir!


8. E.W.: In diesem Kontext fällt mir doch glatt noch eine Frage ein: Hättest du etwas (Wirksames) dagegen wenn jemand einen EMBALMING THEATRE Bootleg (mit seltenen Tracks oder sonst was) herausbringen würde?
Steve: Nicht wirklich, aber es wär halt schön, wenn wir was davon erfahren würden und auch n paar Copys für gratis bekämen. Und der Typ, der das macht, sollte sich auch nicht dran bereichern, heisst, überrissene Preise dafür verlangen – von daher bin ich eigentlich eher für’s Traden als für’s Bootleggen.
Marco. Aber wer sollte schon auf so eine bescheuerte Idee kommen????.......

9. E.W.: Eure Releases sind auf diversen Labels auf nahezu dem ganzen Planeten erschienen: Wie entstanden die Kontakte zu Putrid Filth Conspiracy Records (Schweden), No Escape Records (Australien), Raw Noise Records (USA), Agitate 96 Records (USA), Morbid Reality Records (USA), Rescued From Life Records (USA), Reverb Productions (Malaysia) oder zu der deutschen Firma Power It Up Records? Seid ihr mittlerweile so berühmt, dass euch die Labels kontaktieren, oder schreibt ihr selbst wie wild durch die Gegend um eine Scherbe auf die Menschheit loslassen zu können?
Steve: Joah, eigentlich ist das ziemlich seltsam gelaufen. Ich glaube, der Auslöser dafür war, dass unsere erste Veröffentlichung die Split mit Agathocles war – danach war das Interesse im Underground geweckt, und wir wurden dann auch plötzlich von diesen und jenen angequatscht, so hat sich eins ums andere ergeben. Die Homepage, die wir auch schon recht früh hatten, hat die Kontakterei dazu wohl auch noch erleichtert. Wenn man bedenkt, dass wir mit Aeternum jahrelang rumgedümpelt sind, ist das alles mit einiger Rasanz passiert – daran haben wir eigentlich selbst kaum geglaubt, immerhin war ET in der Anfangsphase nichts weiter als n Spassprojekt, nichts, das wir wirklich ernst genommen hätten.
Dave: Mit einigen Labels war ich schon seit geraumer Zeit in Kontakt. Manchmal muss einfach ein wenig nachfragen und plötzlich zeigen Leute Interesse, an die man nie gedacht hätte!

10. E.W.: Thema Labels: Wurdet ihr schon mal von einem Label abgerippt?
Wenn „ja“ hast du jetzt die Gelegenheit diese Typen öffentlich an die Wand zu stellen (that means: Namen her, hehe)!

Steve: Das Glück (oder besser: Pech) hatten wir bisher noch nicht, ab und zu wird man ja auch vorgewarnt. Ansonsten denke ich, betreiben wir mit den Labels, mit denen wir zu tun haben, ne recht faire Politik, und ich hoffe, die wissen das auch zu schätzen (wir kriegen ja für die Veröffentlichungen jeweils Gratisexemplare oder zu nem lauen Preis und keine Knete, aber dafür sind wir auch recht dankbar). Da Dave und ich selbst mal n Label betrieben haben, wissen wir ja auch, wie’s ungefähr läuft und man halt nicht immer Kohle für alles hat.

11. E.W.: In sämtlichen EMBALMING THEATRE Schüsseln, die ich besitze, ist weder ein Foto von euch noch eure richtigen Namen abgedruckt. Warum nicht? Seid ihr so hässlich, dass ihr eure wahren Gesichter nicht zeigen könnt ohne mit Klagen auf Schmerzensgeld rechnen zu müssen oder was hat es damit auf sich?
Steve: Naja, mit Nachnamen wie Blumenkohl, Bohnentrost, Maisfeld etc... sei ehrlich, würdest Du da Deinen Namen veröffentlicht sehen wollen? Hehe. Und ja, wir warten immer noch auf den grossen Wurf, damit wir uns ne Schönheitsoperation leisten können – wobei, gibt es da jetzt nicht ne Sendung? Vielleicht sollten wir uns da mal bewerben, höhö, alle fünf zusammen.
Okay, im Ernst. Eigentlich haben wir die Idee von Brujeria geklaut, weil wir damals ja noch Aeternum am Start hatten und unsere Identität nicht preisgeben wollten. Also kam da erst mal je n abgedrehtes Foto auf die ersten 7“er’s und natürlich auch gefälschte passende Namen. Und irgendwie hat sich das dann halt gehalten, und wir können die Finger nicht davon lassen.
Wer aber unbedingt Bilderchen von uns sehen will, kann das auf der HP tun, da sind Live-Pics drauf. Vielleicht – und da bringt mich Deine Frage auf die Idee, bringen wir mal n paar Bilder auf ner Liveveröffentlichung, ich werd mich da mal mit Dave und Marco unterhalten müssen, weil anscheinend haben wir ne ziemlich gute Aufnahme reingekriegt im Abart in Zürich, wo wir mit Nasum gespielt haben.

12. E.W.: Wenn ich eh gerade bei dieser Materie bin: Sind so blöd/kultige Anreden wie „Bill St.rangulated“, „E. Metic“ (damit ist sicherlich die Band gemeint, eh!?!), „G. Reedy“, „Rub Bish“ und/oder „G. Metzl“ im Suff entstanden oder wie zum Henker kommt man auf so einen zugegebenermaßen lustigen Schwachsinn?
Steve: Äh... äh... Kein Kommentar? Hehe.
Marco: Da ist übrigens nicht die Band gemeint. Fast alle Namen sind von mir und dafür musste ich kein einziges Mal besoffen sein. Aber wenn ich beim Ausdenken von Namen noch besoffen wäre, gar nicht auszudenken, was für ein Schwachsinn DANN herauskommen würde.... bald sind es um die 100 verschiedene Namen. Da könnten wir ja zum Jubiläum eine Sause veranstallten, nicht?!

13. E.W.: Mal zu euren Texten: Mir ist äußerst positiv aufgefallen, dass ihr euch von den für diese Musikrichtung üblichen (hohlen!) Gore-, Splatter- und/oder Pornotexten kilometerweit abhebt. Auf unter anderem der „Sweet chainsaw melodies“ LP, der „Hormones from the dead“ MCD, der Split 7“ w/ DIN-ADDICT oder der „Split organ“ Split CD w/ TORTURE INCIDENT verarbeitet ihr zwar blutrünstige Themen en masse, allerdings beruhen diese Inhalte auf der bitteren Realität. Wollt ihr in euren Texten die alltäglichen Perversionen, die auf diesen Planeten scheinbar gang und gäbe sind, anprangern oder warum schreibt ihr solche Lyrics?
Steve: Das ist vor allem Marcos Metier. Was die realen Tatsachen angeht, so ist es bei uns schon lange gang und gebe, dass wir uns öfter mal über diese kleinen Notizen unterhalten, die ab und zu in der Zeitung erscheinen – meistens sehr makaber, manchmal einfach nur lustig, aber auf dieser Welt passieren manchmal wirklich extrem schräge Sachen. Wir haben da auch nen extrem ausgeprägten schwarzen Humor.
Natürlich sind die Sachen, die Marco in den Texten verarbeitet, nicht wirklich zum Lachen. Aber manchmal weiss man wirklich nicht, ob man darüber schmunzeln oder weinen soll. Einige Texte spiegeln auch einfach die grenzenlose Dummheit gewisser Menschen wieder, wie z. B. der Typ, der sich Engelstrompete reingezogen und sich dann den Pimmel abgeschnippelt hat. Oder dann halt so ironische Sachen wie das Untergehen eines Schiffes mit einer Beerdigungsgesellschaft.

14. E.W.: Noch eine Sache, die mir zu euren verbalen Ergüssen durchs Hirn schießt: Wie kommen diese Inhalte letztendlich zustande? Ich habe jedenfalls vor dem Studieren von zum Beispiel „Failed and nailed“ (von der „Hormones from the dead“ MCD) noch nie etwas von einer Story, dass eine kambodschanische Mutter ihre Tochter am Boden festgenagelt hat weil das Mädchen, anstatt im Haushalt zu helfen, lieber spielen wollte, gehört. Lest ihr den lieben, langen Tag die Schmierblätter der Boulevardpresse, guckt ihr pausenlos in die Glotze oder was ist da los?
Steve: Solche Notizen findest Du meist auch in ganz seriösen Zeitungen, meist halt nur kleine Meldungen am Rand. Wo Marco genau seine Quellen hat, kann ich Dir nicht sagen, im Internet findet sich da bestimmt auch einiges. Dass Marco sich vor die Glotze hängt und nur auf solcherlei Nachrichten wartet, glaub ich nicht – ich selbst hab ja schon seit Jahren keinen Fernseher mehr. Aber ich bin ein aufmerksamer Zeitungsleser.

15. E.W.: Eure Seite der Split 7“ w/ DIN-ADDICT heißt „You eat what I have raped“... Findest du so ein Statement nicht ein bisschen abartig? Ich meine, ich habe schon Schlimmeres gelesen und deswegen pisst mich das auch nicht wirklich an, aber warum habt ihr so einen Titel gewählt?
Steve: Abartig ist die Welt, in der wir leben, und das schon seit Menschengedenken. „You eat what I have raped“ ist der Text eines Lieds, darauf basierend, dass zwei Männer in Moskau Frauen vergewaltigt und ihr Fleisch danach an die Verwandtschaft zum Verzehr weiter gegeben haben. Mag sein, dass die Ich-Form hier ein wenig unglücklich gewählt ist, aber darüber soll sich Marco selber rechtfertigen, hehe.
Marco: Was muss in einem Kopf vorgehen, damit man so eine Schweinerei vollbringt?
Ich kann mir das nicht vorstellen. Darum sind Titel und Text aus der Perspektive des Täters auch kalt und emotionslos gehalten. Es werden noch andere Titel in dem Stil folgen, z.B.“ Electric torture in her cunt“ auf der Split mit Intumescence. Dass die Ich-Form etwas verwirrend sein kann, realisierte ich zum ersten Mal, als mich jemand wegen des Titels der Split mit Maggot Shoes ansprach („Daddy raped my girlfriends“). Ich habe keine Mühe, auch mal etwas aus der Sicht des Täters zu berichten. Normalerweise geschieht das ja aus Sicht der Opfer. Damit will ich aber keineswegs die Taten verherrlichen. Eine Glorifikation von Serienkillern mit Merchandise-Artikeln finde ich
persönlich fragwürdig. Es ist wie Steve sagt, dass die Welt abartig ist, und wir auf die eine oder andere Art damit umgehen müssen. Den meisten gelingt das mühelos mit Ignorieren und Verdrängen.

16. E.W.: Der finale Song der „Sweet chainsaw melodies“ LP ist eine, wie ich finde, witzige, von griechischer (oder so...) Folklore angehauchte Nummer über das Einbalsamieren von Leichen. Ey, wenn da noch ein gutgelauntes „Hellas“ gekommen wäre, hätte ich, ohne Scheiß, erst mal einen entspannten, formvollendeten Sirtaki aufs Parkett gelegt... Nee, im Ernst: Weshalb habt ihr dieses Stück auf das Album gepackt?
Steve: Was auch immer man anhand unserer Texte von uns denken mag: Wir sind bestimmt nicht die verkommenen Psychopathen, die in düsteren Kellern rumhocken und nur Mord und Totschlag im Sinn haben. Genau so wenig wollen wir dieses Image erwecken, wenn wir live auftreten. Im Grunde genommen sind wir nämlich humorvolle und nette Jungs, die einfach Spass daran haben, den Leuten was zu bieten.
Das Outro (wie auch die Intros und Intermezzos auf allen Scheiben) kam von Marco, der, soweit ich weiss, diese teilweise auch über Mia Wallace bezieht (darüber müsste Dir aber Marco selbst Bescheid geben). Keine Ahnung, woher das wirklich stand, ein Element daraus (das englische) ist auf jeden Fall aus dem Film The mummy mit Boris Karloff, und der Rest klingt eher wie so aus ner Unterrichtssendung, so was wie die Sendung mit der Maus.
Nebenbei – das Album ist ja ansonsten ernst genug, da kann man auch mal ein wenig auflockern, ne?
Marco: Zitieren wir doch Schlager-Master Roberto Blanco: „Ein bisschen Spass muss sein...“

17. E.W.: Auf der Split 7“ w/ BIRDFLESH covert ihr mit „Sick of talk“ die Götter von INFEST und auf der „Split organ“ Split CD w/ TORTURE INCIDENT mit „Fear of napalm“ die nicht minder genialen TERRORIZER. Weswegen gerade INFEST und wieso nicht „Dead shall rise“ von TERRORIZER? Bei den Letzteren gehe ich davon aus, dass „Dead shall rise“ jeder nachspielt... Egal, spüre ich bei EMBALMING THEATRE eine gewisse Leidenschaft für authentischen Knüppelcore?
Steve: Nachdem wir während der ersten Session E.N.T. gecovert hatten (Murder), haben wir uns für die zweite dann ein paar Covers mehr ausgesucht, alle Bandmembers konnten da Vorschläge anbringen. Marco wie auch ich haben die Infest-12“, und – ich weiss nicht, wie Marco das sieht – ich finde sie einfach nur saubrutal und genial. Ein guter Grund, nen Song zu covern, eigentlich hatten wir auch mehrere zur Auswahl, haben uns dann aber für Sick of talk entschieden. Ich selbst hab auch sonst jede Menge Hardcore-Platten zu Hause im Regal stehen, weil ich die Stil-Richtung halt auch sehr mag.
Fear of napalm haben wir gecovert, weil wir das schon mal gespielt hatten, mit ner andern Band (Maggots – das war noch vor meiner Zeit bei Aeternum, die’s damals auch schon gab. Eigentlich war bei Maggots dann auch das eine oder andere Aeternum-Mitglied dabei, so auch Dave). N anderes Lied stand da eigentlich gar nie zur Debatte, der Song an und für sich ist auch recht geil, wenn auch für uns ungewohnt lang. Nebenbei spielen wir den auch als Zugabe noch live.
Und, ja, wir mögen halt die alten Heroen – wir werden auch bei der nächsten Aufnahme wieder n paar Coverversionen mit dabei haben. Andere Covers, die wir schon aufgenommen und zum Teil veröffentlicht haben, stammen von so namhaften Bands wie: Fear Of God (sind ja auch Landsleute, hehe), Exculceration (auch Landsleute), Cryptic Slaughter, Heresy, Repulsion, S.O.B., G-Anx, Filthy Christians, usw. usf.


18. E.W.: Die Schweiz ist zwar bekannt für ihre leckere Schokolade, präzise funktionierende Uhren und dass dort alles sauteuer ist, aber, wenn ich (ältere) Units wie FEAR OF GOD, ABC DIABOLO, PROFAX, MONUMENT, CWILL, MINE, blablabla mal außen vor lasse, sicherlich nicht gerade für Hard- und/oder Grindcore. Gibt es bei euch eigentlich so was wie eine Hardcore-, Punk-, Grindcore-, was-auch-immer-Szene? Nach welchen aufstrebenden Bands sollten wir die Augen offen halten?
Steve: Klar gibt’s hier auch ne Szene, aber ich glaub, Grindcore ist da nicht wirklich so in, die härteren Bands gehen dann eher so Richtung brutalen Deathmetal. Wertvolle Arbeit für diese Szene (also Grind und Death) leistet vor allem M.D.H.F. (Metal Die Hard Front) und das Mountains of Death Open-Air. Da empfehle ich vor allem Disparaged und Carnal Decay, gibt natürlich noch ne Menge anderer Bands, aber momentan fällt mir da nix mehr zu ein, Gedächtnis wie Sieb halt.
Im Hardcore-Bereich kenn ich mich im aktuellen Geschehen eher weniger aus, ich kann da vielleicht Eye See Red nennen, die gehen irgendwie so in die HC-/Crossover-Bresche, und noch Short Case. Ich geh halt inzwischen nur noch selten an so Konzerte und Veranstaltungen.
Was Punk angeht, kann ich Dir gar nix zu sagen, das Neo-Punk-Zeugs interessiert mich eigentlich kaum.

19. E.W.: Cool. Ein kleines Brainstorming gefällig? Here we go:
NAPALM DEATH oder CARCASS?
Sekt oder Selters?
Vegetarier oder Karnivoren?
Boston oder L.A.?
Bern oder Berlin?
„Matrix“ oder „Braindead“?

Steve: Carcass. Ich mochte die schon immer mehr als ND. Nette Geschichte von Fear Of God (der Drummer wohnt hier im gleichen Ort wie ich): Als ND bemerkt haben, das FOG um einiges mehr hacken als sie, haben sie den Briefkontakt abgebrochen. Live hätten sie (ND) mal vor einigen Colaflaschen gesessen – auf die Frage hin, warum sie die denn getrunken hätten, kam die Antwort: Wurden halt bezahlt (siehe auch: Multinational corporations/Scum). Ausserdem... Carcass haben diese schönen echt perversen Riffs und Solos drauf.
Selters. Seit einigen Jahren trinke ich Alk nur noch bei Ausnahmegelegenheiten, das summiert sich im Jahr so auf maximal zwei Mal im Übermass.
Karnivore. Ich mag Gemüse auf den Tod nicht ausstehen, mit Vegetarismus hätte ich also n echtes Problem.
Boston. L.A. ist mir zu suspekt – na ja, eigentlich Amerika überhaupt. Und wenn ich mich recht erinnere, war der Bostoner HC genauso gut wie der aus L.A. Grübel. Ich glaub, ich sollte mal wieder die Plattensammlung durchforsten.
Berlin. Will ich unbedingt mal sehen. Hätte da sogar schon ne Fremdenführerin (hätt jetzt fast nur „Führerin“ geschrieben, aber im Zusammenhang mit Berlin hat das wohl einen etwas... seltsamen Nachgeschmack). Hoffe, da ein paar schöne Fotomotive zu finden. In Bern haben wir letztes Jahr gespielt, wenn ich mal Zeit und Lust habe, werd ich da wohl auch mal ne kleine richtige Rundreise durch die Stadt machen, war schon lange nicht mehr da, am Konzert ham wir nich viel von der Stadt selbst gesehen.
Braindead. Ich mag Splatterfilme. Ich mag auch anspruchsvollere Filme wie Soul Survivor oder Blair Witch 2, Angel Heart oder die von Cronenberg etc., durchaus auch mal n melancholischen Film oder was Schönes wie Feivel oder Lemony Snickets Rätselhafte Ereignisse. Matrix war ja ganz okay und anspruchsvoll, aber nicht so mein Ding. Gibt durchaus gute SF-Filme (wie M.A.R.K. 13 – Hardware, die Alien-Filme, sogar I, Robot fand ich voll okay), aber da gehören die Matrix-Sachen meiner Meinung nach nicht dazu.
Marco: Napalm Death, auch wenn Carcass nur hauchdünn dahinter ist...Ich habe mit über 100 Titeln auch eindeutig mehr Material von Napalm Death als von Carcass.
Selters, Sekt gibt mir nichts. Hättest du gefragt, ein gutes Glas Rotwein oder Wasser, hätte ich mich anders entschieden. Wer säuft schon das Sprudelwasser für Neureiche. Aber allgemein gesagt, trinke ich auch wie Steve nicht sehr oft Alkohol. Aber sicher nicht so wenig wie er!
Ich mag beides, an einem Abend mit René (von Endistro/Blutwurscht Records) Veganfood zu mir nehmen und am anderen Abend ein gutes Stück Fleisch.
Bei den Stätten enthalte ich mich, da ich 2 noch nicht kenne.
Beim Film ist es zwar so, dass es im ersten Teil von Matrix wirklich schöne Bilder hatte, aber die anderen Teile hat mir mal einer ausgeliehen und ich habe nach 15 Minuten abgestellt. Deshalb geht der Punkt sicher an Braindead.

20. E.W.: Sodele, jetzt noch meine Lieblingsfrage, die ich, weil ich ein absoluter Listenfreak bin, wirklich jedem stelle: Nenn’ bitte deine fünf favorisiertesten Platten aller Zeiten, also die Dinger, die du mit ins Grab nehmen würdest!
Steve:
AT THE GATES – Slaughter of the soul LP
G-Anx – Masterpeace 7” (darf ich, weil’s nur ne 7” is, noch ne zweite mitnehmen? Okay, dann... hmmm... TOTALITAER – Multinationella Mördare 7“ – oder was von ASSÜCK)
SPAZZTIC BLURR – Before and after LP
BOLT THROWER – Realm of chaos LP
GORILLA BISCUITS – Start today LP
Dave:
(Schreibe nur Bands auf, denn ich könnte mich nicht für nur 5 Scheiben entscheiden. Die müssen mich mal zusammen mit meiner LP-Sammlung in einem Mausoleum beerdigen!!)
AT THE GATES, ROTTEN SOUND, NAPALM DEATH, AGATHOCLES, E.N.T., DOOM, ASSÜCK, SKIT SYSTEM, BIRDFLESH,……………..
Marco:
WINTER - Eternal Darkness
NAPALM DEATH – Mentally murdered MLP
CARCASS- Symphonies of sickness
GRAVE – Anatomia corporis humani MLP
DEMILICH- Nespithe
Aber es fällt mir verdammt schwer, mich da auf 5 zu beschränken!!! Deshalb nehme ich für die 2 MLP’s noch was dazu, hehe:
DISEMBOWELMENT – Demos, Reh., MCD, CD

21. E.W.: Was dürfen wir in nächster Zeit von EMBALMING THEATRE erwarten?
Steve: Wie schon erwähnt, Ende April ist bei uns Studio angesagt. Daraus wird dann wohl ne volle CD resultieren, ne Split-CD, ne volle 7“ und evtl. dann noch die eine oder andere Split-7“. Livemässig steht noch nicht sehr viel fest, bisher eigentlich nur der Auftritt im Dynamo in Zürich am 9. April.

22. E.W.: Okay, das war’s von meiner Seite aus – vielen Dank für das Interview!! Gibt’s noch irgendwelche Statements, die du loswerden möchtest?
Steve: Vielen Dank für das Interview! Haltet euch auf dem Laufenden auf www.embalmingtheatre.ch! Grind on und so, ihr wisst ja schon.

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