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Im ersten Augenblick fragt man sich, ob man träumt oder wach ist, als die Schweizer Grinder EMBALMING THEATRE auf der Bildfläche erscheinen. Dass die fünf Jungs bezüglich krankem Humor und massenunkompatiblem Geschmack keine Grenzen kennen, zieht sich nicht nur wie ein roter Faden durch ihre umfangreiche Diskographie. Nein, die Grindcoreler unterstreichen diese Attitüde immer wieder auch durch ihre Live-Auftritte - dieses Mal bedeutet es, dass das gesamte Quintett in kleinen Tigerkostümen auftritt und diese unmodisch stilsicher mit gelben, beziehungsweise rosaroten Socken und Boxershorts kombiniert. Die Zweifel, ob das offensichtlich für Kinder konzipierte Tigeroutfit seine Bewegungsfreiheit beeinträchtigt, prügelt Drummer Heinz (DISPARAGED) mit technischer Präzision und schönster Stickhaltung bereits im ersten Song aus sämtlichen Gehörwindungen raus. Und nach dem Opener ist trotz der Ansage "Merci, wir sind Embalming Biene Maja" klar, dass hier nur EMBALMING THEATRE am Werk sein können. Perfekt aufeinander eingespielt, mit viel Freude und Spaß geben sich die Schweizer ihrem herben Grindcore hin, der immer wieder durch kurze Ausflüge in den todesmetallischen Sektor angereichert wird.
Sänger Marco verausgabt sich auf der Bühne und zieht selbst als kleines Tigerlein - wohlgemerkt mit viel Wut im Bauch - das Publikum in seinen Bann. Dieses zeigt sich zunehmend aktiv und es dauert nicht lange, bis die ersten Stagediver und -diverinnen die Bühne in Beschlag nehmen. EMBALMING THEATRE trümmern ihrer Zuhörerschaft nicht nur Songs wie "Topless, but mummified", "4 brains, one hand and one foot in my luggage" und "We ate daddy" von ihrem Album "Sweet chainsaw melodies" um die Ohren, sondern auch ältere Tracks der Marke "Dead stolen Hector". Der METAL DIE HARD FRONT wird mit "Baby in the fridge" geehrt und zwecks Instant-Moshpitbildung greifen EMBALMING THEATRE geschmackssicher zu NASUMs "Cut to fit". Fronter Marco führt mit, in charmantem Schweizerdeutsch erzählten kleinen Stories, durch die Vorstellung und nicht nur die Hintergrundgeschichten von "Vasectomy by lobster" und "Back with head" - letztere handelt von einem Mann, der verwirrt und mit grindcore-kompatiblem Gepäck an einer Tankstelle in Deutschland aufkreuzt - entlocken den Zuhörenden das erwünschte Gelächter. Für das Ausklopfen seiner rosa Socken im Vorfeld von "Shoes made of human skin" erhält er ebenfalls Szeneapplaus. Eher ungewöhnlich hingegen die Einlage von Drummer und Gitarrero, die zusamen ein deutsches Volkslied über ihre geliebte Ziege intonieren - selbst eine Jodeleinlage wäre im Rahmen eines EMBALMING THEATRE-Gigs wohl durchaus "normal". Kurz nach der Interpretation des NAPALM DEATH-Tracks "Lucid Fairytale" ist dann Schluss, aber EMBALMING THEATRE haben einen mehr als bleibenden Eindruck hinterlassen - sowohl musikalisch als auch in Sachen Stageacting. Es braucht schließlich gestandene Grindcore-Männer, um Tigerkostümchen zu tragen.



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